Neue Proteinmarker offenbaren die verborgene Artenvielfalt von Gürteltieren, Ameisenbären und Faultieren in Südamerika

Forschende haben die erste ZooMS-Referenzbibliothek für Nebengelenktiere (Xenarthra) erstellt, die eine präzise Identifizierung fragmentierter tierischer Überreste in archäologischen und paläoontologischen Kontexten ermöglicht.
 

11. November 2025

Eine neue Studie gewährt Einblicke in die Vergangenheit der südamerikanischen Tierwelt. Sie präsentiert eine Reihe einzigartiger Protein-Fingerabdrücke, mit denen Forschende historische Überreste von Gürteltieren, Ameisenbären und Faultieren – zusammenfassend als Xenarthra bezeichnet – identifizieren können. Die im Journal of Proteome Research veröffentlichte Studie stellt die erste ZooMS-Referenzbibliothek (Zooarchaeology by Mass Spectrometry) für diese spezifische Säugetiergruppe bereit.

Nebengelenktiere sind in Amerika endemisch. Sie übernehmen entscheidende ökologische Funktionen, etwa bei der Insektenregulation und im Nährstoffkreislauf, und sind für die Erhaltung gesunder Ökosysteme von entscheidender Bedeutung. Da Knochenüberreste in der Archäologie und Paläoontologie jedoch häufig schwer zu identifizieren sind, war die Untersuchung der Lebensgeschichte, Populationsdynamik und der Interaktionen mit Menschen bislang eine Herausforderung für Forschende.

Um dieses Problem zu lösen, entwickelte das Team einen neuartigen Satz von ZooMS-Peptidmarkern für zehn lebende und ausgestorbene Xenarthra-Arten . Dieser ermöglicht die taxonomische Identifizierung fragmentierter und morphologisch undeutlicher Knochenansammlungen.

„Diese Arbeit stellt einen bedeutenden Fortschritt für die südamerikanische Zooarchäologie und Paläontologie dar“, erklärt Mariya Antonosyan, Hauptautorin der Studie und Postdoktorandin in der Abteilung für Koevolution von Landnutzung und Urbanisierung (DLU) am Max-Planck-Instituts für Geoanthropologie. „Dank der verbesserten taxonomischen Auflösung fragmentierter Knochenansammlungen lassen sich die Biodiversität der Vergangenheit, die Interaktionen zwischen Mensch und Tier sowie ökologische Veränderungen präziser rekonstruieren.“

Der neu entwickelte Referenzrahmen vertieft das Verständnis der Dynamik von Aussterben und Anpassung bei Nebengelenktieren und liefert zugleich wichtige Daten für Naturschutz und Ökosystemwiederherstellung.

„Die Verknüpfung der früheren und heutigen Verbreitung von Arten macht die Forschung zu einem wertvollen Instrument zur Modellierung der Reaktionen der Biodiversität auf klimatische und menschliche Einflüsse im Zeitverlauf“, erläutert Patrick Roberts, Direktor der Abteilung DLU und Mitautor der Studie.

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