Wassermanagement im Decision Theater: Lernen von anderen
Globale Zusammenarbeit für nachhaltiges Wassermanagement auf der Hauptbühne des Falling Walls Summit 2025
Das Anthropozän, unser gegenwärtiges geologisches Zeitalter, geprägt durch den tiefgreifenden Einfluss des Menschen auf das Erdsystem, zeigt die enge Verflechtung zentraler Herausforderungen: Klimawandel, ökologische Krisen, Verlust der Artenvielfalt und Ressourcenknappheit sind keine isolierten Probleme, sondern miteinander verknüpfte Dimensionen einer globalen Transformation.
Die einst auf trockene Regionen beschränkte Wasserknappheit hat sich als kritische Manifestation der vernetzten Krise gezeigt und erfordert dringende, koordinierte Maßnahmen. Auf dem Falling Walls Summit 2025 trafen Forschende und Praktiker:innen von drei Kontinenten zusammen, um zu demonstrieren, wie die moderne Decision-Theater-Technologie zur Bewältigung einer der drängendsten Herausforderungen des Anthropozäns beitragen kann: dem nachhaltigen Wassermanagement.
Von lokaler Innovation zu globalem Lernen
Prof. Jürgen Renn, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Geoanthropologie, eröffnete die Veranstaltung mit einer nüchternen Feststellung: Die UN prognostiziert, dass bis 2025 die Hälfte der Weltbevölkerung von Wasserknappheit betroffen sein wird. Statt an der Krise zu resignieren, betont Renn die Chancen eines gemeinsamen Handelns.
„Wir konzentrieren uns nicht nur darauf, zu verstehen, warum Knappheit entsteht“, erklärt er, „sondern auch darauf, wie wir gemeinsam handeln können, um einen nachhaltigen Zugang zu Wasser für alle zu ermöglichen.“
Die Zusammenarbeit vereint drei führende Institutionen: die Blaustein Institutes for Desert Research der Ben-Gurion University of the Negev, die Arizona State University (ASU) und das Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (MPI-GEA). Gemeinsam haben sie erkannt, dass sie durch die Zusammenführung lokaler Wasserstrategien zu einem einheitlichen Ansatz, unterstützt durch die Decision-Theater-Technologie, einen konkreten Beitrag zur Bewältigung der globalen Wasserproblematik des Anthropozäns leisten können.
Ein Jahr des Aufbaus von Partnerschaften
Prof. Noam Weisbrod, Inhaber des Alain-Poher-Lehrstuhls für Hydrogeologie an der Ben-Gurion University, reflektierte, wie die Partner vor etwas mehr als einem Jahr gemeinsam die Initiative entwickelten: Könnten Forschende, politische Entscheidungstragende und die Industrie zusammenkommen, um die Wasserknappheit als globale Herausforderung anzugehen?
Prof. Manfred Laubichler, Global Futures Professor, President's Professor für Theoretische Biologie und Geschichte der Biologie sowie Direktor der School of Complex Adaptive Systems und des Decision Theater an der ASU, erläuterte die Leistungsfähigkeit des Decision-Theater-Ansatzes – einer Methodik, die es verschiedenen Interessengruppen ermöglicht, komplexe und miteinander verknüpfte Daten sowie Szenarien gemeinsam zu analysieren.
„Decision Theaters machen Komplexität beherrschbar“, erklärte er, „indem sie gemeinsame Räume schaffen, in denen Expertinnen und Experten sowie Entscheidungstragende Kompromisse und Chancen in Echtzeit erkennen können.“
Drei Kontinente, drei Lösungen
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen drei detaillierte Fallstudien, die jeweils demonstrierten, wie die Decision-Theater-Technologie unterschiedliche Herausforderungen im Wassermanagement bewältigen kann. Alle drei Demonstrationen waren erfolgreich und beleuchteten verschiedene Aspekte, wie die Decision-Theater-Technologie das Wassermanagement verändern kann.
Colorado River Becken: Adaptives Management unter Stress
Nicole Cox, Senior Coordinator am Decision Theater der ASU, präsentierte das CuRVE-Projekt, das adaptives Wassermanagement in einem System untersucht, das von historischer Dürre und steigender Nachfrage betroffen ist. Das Colorado River Becken dient als Fallstudie, wie Datenmodellierung und die Einbindung von Interessengruppen die Entscheidungsfindung in grenzüberschreitenden Wassersystemen verbessern können.
Yellow River: Geschichte trifft auf moderne Herausforderungen
Dr. Shuang Song vom MPI-GEA untersuchte das Einzugsgebiet des Yellow River, eines der historisch bedeutendsten Wassersysteme weltweit. Seine Forschung analysiert, wie kombinierte Strategien - darunter Süd-Nord-Wassertransfers- die Umstellung auf saubere Energie und universelle Wassereinsparungen bis Mitte des Jahrhunderts eine langfristige Wasserversorgungssicherheit gewährleisten könnten.
Im Vortrag betonte er, wie das Verständnis der gemeinsamen Entwicklung von menschlichen Gesellschaften und Wassersystemen wichtige Erkenntnisse für das heutige Management liefert.
Israel: Simulation von Resilienz in Krisenzeiten
Dr. Karol Gonçalves präsentierte ein integriertes Entscheidungsunterstützungsmodell, das mehrere Krisenszenarien simultan simuliert – darunter Dürre, Energieknappheit, Konflikte und Cyberbedrohungen.
Am Beispiel des israelischen Wassersystems untersuchte ihr Team, wie solche Systeme ausgewogene und resiliente Reaktionen auf einzelne sowie sich überschneidende Krisen ermöglichen.
Von Modellen zur Umsetzung: Eine lebhafte Diskussion
Die Podiumsdiskussion verdeutlichte das starke Engagement des Publikums für die Initiative. Dr. Rosa Roman-Cuesta, Waldökologin und Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin am gemeinsamen Forschungszentrum der Europäischen Kommission, analysierte die Verbindung des Projekts zu den politischen Rahmenbedingungen der EU und dem European Green Deal. Prof. Patrick Bräutigam von der Universität Stuttgart erläuterte, wie technologische Innovationen in der Wasseraufbereitung und Sensortechnik diese systemischen Ansätze ergänzen können.
Die offene Diskussion zeugte von großem Interesse, wobei viele Fragen die nächsten Schritte und die praktische Umsetzung betrafen. Dabei kristallisierten sich mehrere zentrale Themen heraus:
Integration in eine umfassendere Nachhaltigkeit: Die Teilnehmenden betonten, dass Wassermanagement nicht isoliert betrachtet werden darf. Die Integration von Wasserstrategien in den Übergang zu erneuerbaren Energien wurde zum zentralen Diskussionspunkt. Lokale ökologische Herausforderungen – von Biodiversität bis Landnutzung – sind neben der Wasserversorgungssicherheit zu berücksichtigen. Der Decision-Theater-Ansatz gilt als besonders wertvoll, um diese Zusammenhänge im Kontext der Herausforderungen des Anthropozäns zu analysieren.
Von der Forschung zur Politik: Im Fokus einer lebhaften Diskussion stand die Frage, wie die Decision-Theater-Technologie den Dialog zwischen Interessengruppen erleichtern und in die Politikgestaltung auf integrieren könnte – von lokalen Gemeinden über nationale Regierungen bis hin zu internationalen Rahmenwerken. Die vorgestellten Modelle stießen auf großes Interesse, viele Teilnehmende wollten verstehen, wie solche Instrumente in ihrem eigenen Kontext einsetzbar sind.
Fokus auf Vulnerabilität: Eine wichtige Bemerkung aus dem Publikum warf die kritische Frage auf, dass sich die Bemühungen zur Minderung der Wasserknappheit auf Regionen mit hoher Vulnerabilität konzentrieren sollten, insbesondere in Afrika. Diese Perspektive unterstrich die Notwendigkeit, globale Initiativen auf die dringendsten Bedürfnisse der am stärksten betroffenen Regionen auszurichten.
Skalierung und Integration: Fragen zur Ausweitung über die drei Fallstudien hinaus dominierten den letzten Teil der Diskussion. Könnte das Modell auch für andere Flusssysteme oder das Grundwassermanagement angewandt werden? Die Teilnehmenden betonten, dass Skalierung nicht nur die geografische Ausweitung, sondern auch die weitere Integration der vorgestellten Modelle umfassen sollte. Die Begeisterung deutet auf ein großes Potenzial zur Gründung eines Konsortiums von Forschungseinrichtungen und Projekten hin, die praktische Herausforderungen adressieren.
Ausblick: die Umsetzung von Bewusstsein in Handeln
In seinen Schlussworten griff Jürgen Renn die Leitfrage der Initiative auf: „Wie lässt sich das globale Bewusstsein für Wasserknappheit in koordiniertes, lösungsorientiertes Handeln überführen – und welche neuen Formen der Zusammenarbeit, Governance und des Wissensaustauschs sind erforderlich, um diese Transformation zu verwirklichen?“
Die Reaktionen auf dem Falling Walls Summit 2025 legen nahe, dass die Antwort genau das beinhaltet, was die präsentierte Zusammenarbeit demonstriert: die Verbindung von Spitzentechnologie mit vielfältigem Fachwissen, lokalem Wissen mit globaler Perspektive sowie Forschungsergebnissen mit dem Engagement der Interessengruppen.
Die Diskussionen zur praktischen Umsetzung, zur Integration in umfassendere Nachhaltigkeitsherausforderungen und zum Transfer von Forschung in die Politik zeigen, dass die Initiative einen Nerv getroffen hat. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Wassermanagement nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern als Teil vernetzter Systeme, die Energie, Ökologie und wirtschaftliche Entwicklung umfassen – ein systemischer Ansatz, der für die Bewältigung der Herausforderungen des Anthropozäns unerlässlich ist.
Der zukünftige Weg umfasst mehrere Schlüsselelemente: die Gründung eines Konsortiums von Forschungseinrichtungen und Projekten, die sich praktischen Herausforderungen widmen; die weitere Integration der vorgestellten Modelle zur Schaffung umfassenderer Entscheidungshilfesysteme; die geografische Ausweitung auf am stärksten gefährdete Regionen, insbesondere in Afrika; sowie die systematische Einbindung des Dialogs mit Interessengruppen in die Politikgestaltung auf verschiedenen Ebenen.
Ein Zuhörer merkte an: „Wir haben gesehen, dass die Modelle in drei sehr unterschiedlichen Kontexten funktionieren. Nun stellt sich die Frage: Wie können wir dieses Denken – sowohl geografisch als auch durch eine tiefere Modellintegration – skalieren, um das globale Wassermanagement grundlegend zu verändern?“
Die Partnerschaft zwischen den Blaustein Institutes for Desert Research, der ASU und dem MPI-GEA scheint gut positioniert zu sein, um diese Frage zu beantworten. Mit bewährten Modellen, starkem Interesse der Stakeholder und klaren Expansionswegen durch den Aufbau von Konsortien stellt die Initiative einen vielversprechenden Schritt dar, um die Wasserversorgungssicherheit angesichts der Herausforderungen des Anthropozäns zu einer gemeinsamen globalen Errungenschaft zu etablieren.
Über die Zusammenarbeit
Schwerpunkt:
- Anerkennung der globalen Wasserproblematik als Bereich, in dem durch die Vernetzung von Forschungseinrichtungen weltweit Erkenntnisse, Daten und Lösungen ausgetauscht werden, um konkrete Fortschritte bei der Bewältigung der Herausforderungen des Anthropozäns zu erzielen.
Partner:
- Blaustein Institutes for Desert Research, Ben-Gurion University of the Negev (Israel)
- Arizona State University, Decision Theater und School of Complex Adaptive Systems (USA)
- Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (Deutschland)
Erste Anwendungsfälle:
- Arizona: Adaptives Management im Colorado River Becken (CuRVE-Projekt)
- China: Langfristige Sicherheitsstrategien für das Becken des Yellow River
- Israel: Simulation der Resilienz gegenüber mehreren Krisen und Integration von Entsalzungsanlagen
Nächste Schritte:
- Gründung eines Konsortiums aus Forschungseinrichtungen und Projekten; weitere Integration von Modellen; geografische Ausweitung auf Regionen mit der größten Anfälligkeit; Einbindung von Stakeholder-Dialogen in die Politikgestaltung.
Zentrale Frage:
- Wie lässt sich das globale Bewusstsein für Wasserknappheit in koordinierte, lösungsorientierte Maßnahmen überführen – und welche neuen Formen der Zusammenarbeit, Governance und des Wissensaustauschs sind erforderlich, um diese Transformation zu verwirklichen?
















