
Earth Resilience Science Unit (ERSU)
Im Anthropozän steigt die Gefahr, dass durch den exponentiellen Anstieg menschlicher Belastungen wie Treibhausgasemissionen und Landnutzungsänderungen kritische Schwellenwerte überschritten werden. Dies beeinträchtigt biophysikalische Prozesse, die den Zustand des Erdsystems steuern. Eine Fortsetzung dieses Trends könnte die Rückkopplungen im Erdsystem von selbstdämpfenden (negativen) zu selbstverstärkenden (positiven) verändern. Daher ist es notwendig, die selbstregulierenden und regenerativen Fähigkeiten des planetaren Lebenserhaltungssystems – die Resilienz des Erdsystems – zu erfassen und zu quantifizieren.
Die Earth Resilience Science Unit (ERSU) ist eine wissenschaftliche Netzwerkeinheit, die vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie (MPI-GEA) und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gemeinsam getragen wird. Die Leitung obliegt Direktorin Ricarda Winkelmann und PIK-Direktor Johan Rockström. Die Einheit wird aus verschiedenen Quellen finanziert und fördert die institutsübergreifende Zusammenarbeit. Sie fungiert als Schnittstelle und entwickelt einen Rahmen zur Charakterisierung der Resilienz des Erdsystems im Anthropozän. Dabei untersucht sie die Stabilitätslandschaften kritischer geophysikalischer, ökologischer und gesellschaftlicher Komponenten, deren Zusammenhänge bislang nur unvollständig bekannt sind. Im Fokus stehen die Identifikation kritischer Zustände und Kipppunkte dieser Teilsysteme, deren Widerstands- und Erholungsfähigkeit gegenüber Störungen sowie das Risiko kaskadierender Wechselwirkungen. Innerhalb des MPI-GEA knüpft die Forschung an verschiedene Kernforschungsthemen (siehe Liste unten) sowie an die Carl-Zeiss-Forschungsgruppe „Coevolutionary Human-Earth System Modelling“ an. Lokale (z. B. PISM) und globale (z. B. ISMIP) Projekte zur Eisschildmodellierung haben das Verständnis der Stabilität der Eisschilde in Antarktis und Grönland sowie deren Bedeutung für den potenziellen globalen Meeresspiegelanstieg verbessert.
Auf internationaler Ebene koordinieren ERSU am PIK und das MPI-GEA gemeinsam mit der Earth Commission das Tipping Point Modelling Intercomparison Project (TIPMIP) unter der wissenschaftlichen Leitung von Professorin Ricarda Winkelmann. Dieses Kooperationsprojekt umfasst zahlreiche internationale Institutionen. Vor ihrer Direktionstätigkeit am MPI-GEA hatte Professorin Winkelmann eine gemeinsame Professur am PIK und der Universität Potsdam. In dieser Zeit leitete sie die Forschungsgruppe „Eisdynamik“ sowie das „Earth Resilience in the Anthropocene Lab“ am PIK. Zur Sicherung der Kontinuität bei der Übernahme ihrer Leitung und zur Förderung der institutsübergreifenden Zusammenarbeit gründete sie gemeinsam mit Johan Rockström die Earth Resilience Science Unit (ERSU). Diese Partnerschaft vereint das Fachwissen beider Forschungsinstitute und verschiedener Disziplinen, um wissenschaftliche Fragestellungen von Kipppunktdynamiken im Erdsystem bis zu koevolutionären Modellierungen zu bearbeiten.



