
SusMax
Im Herbst 2025 wurde SusMax, ein neues Max-Planck-Netzwerk für nachhaltige Materialien gegründet. Es vereint Forschende aus verschiedenen Instituten und Projekten mit dem Ziel, neue biobasierte Materialien zu entwickeln, energieeffiziente Produktionsverfahren zu fördern und Materialien im Sinne eines zirkulären Designs neu zu konzipieren. Die Forschenden werden ermutigt, in großen Dimensionen zu denken und innovative Ideen mit praktischer Relevanz zu verfolgen.
Das Netzwerk
Das Netzwerk umfasst sechs Institute: MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung (Potsdam), MPI für nachhaltige Materialien GmbH (Düsseldorf), Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (Berlin), MPI für Polymerforschung (Mainz), MPI für Dynamik komplexer technischer Systeme (Magdeburg) sowie das MPI für Geoanthropologie (Jena).
Die einzelnen Projekte aus einem noch breiteren Spektrum von MPIs spiegeln die Vielfalt der Ansätze wider, mit denen Nachhaltigkeit in der Materialgestaltung addressiert wird: nachhaltige Ressourcen, nachhaltiger Energieverbrauch und die Schließung von Stoffkreisläufen.
Die Materialwissenschaft bildet seit Jahrzehnten einen wichtigen Cluster innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft. Die ältesten Institute dieses Clusters reichen bis in das Deutsche Reich und zur Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zurück, etwa das 1917 gegründete Kaiser-Wilhelm-Institut für Eisenforschung und seit 2024 MPI für Nachhaltige Materialien. SusMax passt dieses langjährige Netzwerk an aktuelle Herausforderungen an.
Neue Materialien und Geoanthropologie
Das MPI-GEA ist das einzige nicht-technische Institut im Netzwerk. Die Perspektive der Geoanthropologie ist jedoch seit der Planung der SusMax-Initiative im Jahr 2020 integraler Bestandteil des Netzwerks. Dies basiert auf der Überzeugung, dass die wissenschaftliche Gestaltung von Materialien einen zentralen Ansatz zur Analyse und Lösung von Problemen des Anthropozäns bietet.
Materialien sind sowohl zentrale Schauplätze als auch zentrale Hebel der Dynamik des Anthropozäns. Künstliche, wissenschaftlich und industriell hergestellte Stoffe sind wesentliche Triebkräfte dieser Dynamik, etwa in Form von Halbleitern, Kunstdüngern und Kunststoffen. Praktisch kein bedeutender Prozess innerhalb der globalen Technosphäre entstand ohne künstlich hergestellte Materialien. Bis heute bilden nicht-nachhaltige Rohstoffabbaupraktiken, fossile Brennstoffregime sowie geopolitisch und ethisch problematische Produktionsketten den materiellen Kern der globalen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie.
Materialien, die ökologischen, ökonomischen und soziopolitischen Nachhaltigkeitsprinzipien entsprechen, sind ein zentraler Schlüssel für nachhaltige Strukturen in Energieerzeugung, Mobilität, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Wohlstandssicherung.
Ohne eine grundlegende Transformation der Chemie sind eine nachhaltige Energiewende, Mobilitätswende oder Agrarwende nicht realisierbar.
Das große Ganze: Ganzheitlich und fundiert
Perspektiven, die sowohl chemisch detailliert als auch möglichst ganzheitlich sind, stehen für das Netzwerk auf allen Ebenen im Fokus. Die konkrete Materialwissenschaft berücksichtigt dabei stets ein breites Spektrum an Maßstäben, technischen Strukturen und systemischen Rahmenbedingungen.
Weitere Ebenen treten ins Blickfeld, wenn die Auswirkungen künstlicher Materialien auf politische, wirtschaftliche, ökologische und letztlich auf erdsystemische Prozessse berücksichtigt werden. Der chemische Raum auf der Makroebene planetarischer Auswirkungen definiert den Bedarf an chemischer Innovation auf der Mikroebene.
Einerseits bietet die Perspektive der Geoanthropologie dem Netzwerk diesen Rahmen. Andererseits liefern die spezifischen Forschungsprojekte im Netzwerk die Mensch-Erde-Interaktionen, auf die sich eine Anthropologie des Übergangs vom fossilen zum postfossilen Zeitalter beziehen muss.