Girl Power im Ostasien der Vergangenheit: Sprache, Archäologie und Gene

Viele Forschende haben im Verlauf ihrer akademischen Laufbahn mindestens einmal geschlechtsspezifische Unterdrückung erfahren. Dies wirft die Frage auf, wie alt und wie universell männliche Dominanz tatsächlich ist. Anthropolog:innen, Archäolog:innen, Genetiker:innen und Linguist:innen untersuchen diese Fragestellung in diesem Projekt aus verschiedenen Perspektiven, mit dem gemeinsamen Fokus auf Ostasien.

Der archäologische Teil untersucht die Verwandtschaftsorganisation und Heiratsstrategien von Gesellschaften des späten Neolithikums und der Metallzeit in Ostasien. Der linguistische Teil vergleicht die Terminologie zu Verwandtschaft und Geschlecht in den transeurasischen Sprachen mit jener anderer Sprachen und Regionen Nord- und Ostasiens.

Die Archäologie gewährt Einblicke in das materielle Leben vergangener Zeiten, während die Linguistik die Rekonstruktion immaterieller Elemente vergangener Kulturen ermöglicht. Soziale Strukturen, Verwandtschaftsbeziehungen, Ehewohnsitz und Abstammungsmuster zählen zu den Konzepten und Ideen des kulturellen Erbes, die nicht ausgegraben, aber anhand sprachlicher Belege teilweise rekonstruiert werden können.

Die Frage, wie menschliche Gesellschaften in verschiedenen Teilen der Welt auf Umweltveränderungen reagierten, steht in Verbindung mit Gender Studies , da Umweltveränderungen Subsistenzstrategien beeinflussen, die wiederum Abstammungssysteme und Ehewohnsitzmuster verändern können. Wie Anthropolog:innen betonen: „Der Fisch ist matrilinear, die Kuh patrilinear“. In Fischergemeinschaften sind Frauen tendenziell stärker wirtschaftlich eingebunden, was sich in häufigeren matrilinearen Vererbungsmustern zeigt, während Viehzucht mit hoher wirtschaftlicher Beteiligung von Männern und patrilinearen Vererbungsmustern einhergeht.

Der gefährlichste Aspekt jeder Form menschlicher Unterdrückung, einschließlich männlicher Dominanz, besteht darin, dass sie Menschen glauben machen kann, es gäbe keine Alternativen. Unsere Forschung zur „Girl Power“ im alten Ostasien zeigt, dass Alternativen existieren. Die wiederholten Wandlungen der kollektiven Geschlechtervorstellungen in der Vergangenheit deuten darauf hin, dass auch in der Zukunft ein Wandel möglich ist.

Ausgewählte Publikationen

Ning, C.; Zhang, F.; Cao, Y.; Qin, L.; Hudson, M.; Gao, S.; Ma, P.; Li, W.; Zhu, S.; Li, C. et al.; Li, T.; Xu, Y.; Li, C.; Robbeets, M.; Zhang, H.; Cui, Y.: Ancient genome analyses shed light on kinship organization and mating practice of Late Neolithic society in China. iScience, 103352 (2021)

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht