Let’s do it ALL: Landwirtschaft, Land und Sprache im Kofun-Japan
Das ALL-Projekt untersucht die Veränderungen in Landwirtschaft und Landnutzung auf den japanischen Inseln sowie deren Zusammenhang mit der Ausbreitung von Bevölkerung und Sprache während der Kofun-Periode der frühen Staatsbildung (250–710 n. Chr.). Frühere Historikerinnen und Historiker erklärten den Aufstieg des Kofun-Staates vor allem durch die hohe Produktivität des Reisanbaus. Neuere Forschungen relativieren diese Sichtweise durch Hinweise auf demografische Instabilität und die Abhängigkeit von Nicht-Getreidekulturen in einer kälteren Klimaperiode, die mit der spätantiken Kleinen Eiszeit zusammenfiel. Die dezentrale soziale Komplexität im japanischen Archipel führte nicht nur zu internen Konflikten, etwa dem Iwai-Krieg in Kyushu (527–528), sondern auch zu japanischen Überfällen auf die koreanische Halbinsel.
Vor einigen Jahren begann unsere Gruppe ein Kooperationsprojekt mit der verstorbenen niederländischen Linguistin Elisabeth de Boer zur Untersuchung der Verbreitung von Dialekten im alten Japan. Aufgrund ihres unerwarteten Todes wurde das Projekt jedoch während der Datenerhebung unterbrochen. Aufbauend auf de Boers Ansätzen möchten wir das Projekt wieder aufnehmen und erforschen, wie klimatische, wirtschaftliche und demografische Faktoren die Verbreitung von Sprachen und Dialekten im alten Japan beeinflussten. Zentrale Fragestellungen sind: Lässt sich die zunehmende soziale Komplexität und die Staatsbildung im Kofun-Japan primär durch eine auf Nassreisanbau ausgerichtete Landnutzung erklären? Wurde die Ausbreitung der japanischen Sprache von Gebieten mit hoher landwirtschaftlicher Produktivität ausgehend gefördert oder durch dezentrale wirtschaftliche Prozesse wie Handel und Raubzüge? Welche Rolle spielte die Urbanisierung beim Sprachwechsel und der Verbreitung? Welche Bedeutung hatten Nicht-Reiskulturen wie Weizen und Gerste für die Kofun-Wirtschaft?
Das Projekt untersucht außerdem die Beziehung zwischen „Anthropozän-Todeslandschaften“ und Sprachen der Macht. Während das Anthropozän allgemein als Ausdruck der Ausweitung menschlicher Produktionssysteme gilt, beschleunigte sich seit der Bronzezeit die Entwicklung von Begräbnis- und Gedenklandschaften. Diese dienten der Vermittlung sozialer Macht, nutzten jedoch wirtschaftliche Produktion eher aus, als das sie sie generierten. Am Beispiel der Kofun-Kultur in Japan analysieren wir, wie solche Todeslandschaften mit anderen Landnutzungsmustern wie Siedlungen, Feldern und Handwerksstätten interagierten.











