Naturkatastrophen und sprachliche Entwicklungen in Nordostasien
Das Holozän gilt häufig als eine Phase klimatischer Stabilität, wodurch die Bedeutung von Umweltveränderungen für die Verbreitung und Diversifizierung von Sprachen oft unterschätzt wird. Dennoch traten in dieser Epoche mehrere abrupte klimatische Umbrüche auf, insbesondere in Nordostasien, einer Region, die aufgrund ihrer Lage innerhalb des Pazifischen Feuerrings besonders anfällig für vulkanische Aktivitäten ist. Die transeurasische Sprachfamilie, bestehend aus japanischen, koreanischen, tungusischen, mongolischen und türkischen Sprachen mit einer etwa 9.000 Jahre währenden Geschichte, musste verschiedene Naturkatastrophen bewältigen, darunter allmähliche Klimaveränderungen im Jahrtausendmaßstab, abrupte klimatische Anomalien im Jahrhundertmaßstab sowie kurzfristige akute Ereignisse wie Vulkanausbrüche.
Das Projekt, das in Zusammenarbeit mit Peter Jordan und Junzo Uchiyama von der Universität Lund durchgeführt wird, untersucht mögliche sprachliche Zusammenhänge im Kontext verschiedener Naturkatastrophen. Mit Fokus auf Nordostasien analysieren wir, inwieweit der Klimawandel die Verbreitung der transeurasischen Sprachen beeinflusst hat und ob die beiden größten Vulkanausbrüche der letzten 10.000 Jahre in der Region, die Supereruptionen von Kikai-Akahoya und des Paektu, möglicherweise als Barrieren für die Sprachausbreitung wirkten oder zum Aussterben einzelner Sprachen beitrugen.
Im Jahr 2023 organisierten wir gemeinsam mit Huw S. Groucutt eine interdisziplinäre Konferenz zum Thema „The Language of Extreme Events“ an unserem Institut. Aktuell bereiten wir eine Sonderausgabe von „Quaternary Environments and Humans“ mit dem Titel „From climate change to language change: how climate impacted language dynamics in the Holocene“ vor, die 2026 veröffentlicht wird. Die Ausgabe untersucht, wie globale Klimatrends möglicherweise gleichzeitig in verschiedenen Teilen der Welt lokale sprachliche Reaktionen ausgelöst haben.
Der Begriff „Extremereignisse“ wird in unterschiedlichen Disziplinen intensiv diskutiert und zunehmend wissenschaftlich erforscht. Ziel unseres Projekts ist es, vielfältige Methoden und Perspektiven zu vereinen sowie inter- und multidisziplinäre Ansätze zu entwickeln. Wir gehen davon aus, dass es in den Fachbereichen zahlreiche parallele Diskussionen gibt und dass es wahrscheinlich eine produktive Übung ist, über unsere gewohnten Komfortzonen hinaus zu sprechen.










