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Dr. W. Christopher Carleton

Senior Scientist
Abteilung für Koevolution von Landnutzung und Urbanisierung
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Forschungsinteressen

Meine Forschung untersucht die langfristige Dynamik der Mensch–Umwelt-Interaktion, insbesondere wie Siedlungssysteme entstehen, sich verändern und messbare Spuren im Erdsystem hinterlassen. Ich verbinde archäologische Feldforschung mit quantitativer Modellierung, bayesianischer Chronologie und Komplexitätstheorie, um die Koevolution kultureller Prozesse, Landnutzung und Infrastruktur über Jahrhunderte bis Jahrtausende hinweg zu analysieren.

Ein zentrales Ziel meiner Arbeit ist es, archäologische Beiträge zu den Institutsthemen Great Acceleration Observatory und Technosphere as a Complex System auszubauen. Dabei untersuche ich, wie urbane und agrarische Siedlungssysteme als technosphärische Akteure wirken, indem sie Landschaften, Hydrologie und sozial-ökologische Resilienz über lange Zeiträume prägen.

Meine aktuelle Feldforschung besteht aus innovativen, modellgeleiteten Projekten, die ich in enger Zusammenarbeit mit nationalen Forschungspartnern durchführe. In Koh Ker (Kambodscha) nutze ich gezielte Bohrungen, magnetische Suszeptibilitätsmessungen und prozessbasierte Chronologiemodellierung, um die räumliche und zeitliche Entwicklung der Stadt präzise zu rekonstruieren. In Polonnaruwa (Sri Lanka) entwickle ich ein geoarchäologisches Programm, das Landnutzungswandel, hydraulische Infrastruktur und langfristige Siedlungsdynamiken untersucht. Diese Projekte sind bewusst so konzipiert, dass sie genau die hochauflösenden Raum-Zeit-Daten erzeugen, die für prozessbasierte Modelle erforderlich sind—statt Modelle nachträglich auf bereits bestehende Daten anzuwenden.

Methodisch arbeite ich am Aufbau einer modernen, datenwissenschaftlich orientierten archäologischen Forschungspipeline, die Felddatengewinnung, offene Forschungsinfrastrukturen (z. B. URBank) und prozessbasierte ^14C- und Siedlungsmodellierung miteinander verbindet. Mit diesem integrativen Ansatz verfolge ich das Ziel, einen kohärenten evolutions- und systemtheoretischen Rahmen zu entwickeln, um zu verstehen, wie menschliche Siedlungen skalieren, mit ihrer Umwelt interagieren und langfristige technosphärische Veränderungen vorantreiben.

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