Ein neues Vermächtnis: Zooarchäologie mittels Massenspektrometrie zur Erforschung des Potenzials von Sammlungen in Naturkundemuseen

3. Juni 2024

Eine aktuelle Studie untersucht erneut die Sammlung eines Museums aus dem 19. Jahrhundert, um die Nützlichkeit von ZooMS-Proteomiktechniken zur taxonomischen Identifizierung von Knochenfragmenten zu testen und letztlich neue Erkenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Tier im Laufe der Zeit zu gewinnen.

Altbestände von Fauna aus dem späten Pleistozän, die bei Ausgrabungen an archäologischen und fossilen Fundstätten aus der Vergangenheit geborgen wurden, sind derzeit in Museen und anderen Aufbewahrungsstätten auf der ganzen Welt untergebracht. Aufgrund ihres meist fragmentarischen Charakters wurde jedoch bisher nur wenig unternommen, um ihr Potenzial für die Beantwortung von Fragen zur früheren Artenvielfalt oder zum menschlichen Verhalten zu untersuchen. Der Einsatz neu entwickelter biomolekularer Werkzeuge wie der Zooarchäologie mittels Massenspektrometrie (ZooMS) könnte neue Erkenntnisse über diese Sammlungen liefern, beispielsweise durch neue Untersuchungen zu lokalen und regionalen Zusammenhängen zwischen Klima, Umwelt, menschlichem Verhalten und der Zusammensetzung der Megafauna, und möglicherweise neue Perspektiven auf vergangene Veränderungen der Biodiversität sowie die Ursachen und Folgen des Aussterbens der Megafauna eröffnen.

In einer kürzlich veröffentlichten Pilotstudie untersucht ein Forschungsteam des MPI-GEA die Nützlichkeit von ZooMS für die Erforschung von Altbeständen der Abteilungen für Anthropologie und Paläobiologie des Smithsonian National Museum of Natural History (NMNH). Diese Abteilungen kuratieren Materialien aus mehreren wichtigen nordamerikanischen archäologischen und paläontologischen Fundstätten sowie eine breite Palette paläobiologischer Referenzproben.

Die Pilotstudie hat eine bemerkenswerte Erhaltung des Kollagens in fragmentierten Assemblagen aus spätquartären/paläoindianischen Fundstätten im NMNH aufgezeigt und damit das große Potenzial von ZooMS für die Untersuchung alter Sammlungen von Megafauna unter Beweis gestellt. Durch das erfolgreiche Screening mit ZooMS konnten die Forschenden sowohl die molekulare Erhaltung der Materialien bewerten als auch wertvolle taxonomische Informationen aus 80 % der analysierten Proben gewinnen, bei denen es sich um zuvor nicht identifizierte Knochenfragmente ausgestorbener Säugetiertaxa handelte. Dies unterstreicht die Kontinuität zwischen den Identifizierungen mit ZooMS und früheren morphologischen Bewertungen.

Zukünftige groß angelegte Anwendungen von ZooMS auf andere Altbestände, die nicht nur im NHNM, sondern auch in anderen Institutionen aufbewahrt werden, würden nicht nur eine neue Verwendung für diese Sammlungen bieten, sondern letztlich auch zur Diskussion über die Rolle des Menschen beim Aussterben der Megafauna beitragen, da die meisten Materialien aus archäologischen Fundstätten stammen.

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