SusMax-Workshop: Nachhaltige Materialien und Geoanthropologie

25. September 2026

Das SusMax-Netzwerk der Max-Planck-Gesellschaft traf sich zu seinem zweiten jährlichen Workshop im Harnack-Haus in Berlin. Die im Jahr 2025 gegründete Initiative widmet sich der Erforschung „nachhaltiger Materialien für eine Kreislaufwirtschaft und darüber hinaus“.

Der diesjährige Workshop brachte Forschende aus verschiedenen Fachbereichen zusammen, um laufende Projekte aus der Materialwissenschaft zu diskutieren. Die Themen reichten von der Entwicklung neuer nachhaltiger Materialien bis hin zu Verfahren für Recycling- und Abfallmanagement.

Zu den eingeladenen Rednern gehörten unter anderem der Chemiker Robert Schlögl, der Nobelpreisträger Ben Feringa und Benjamin Steininger vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie. Steiningers Vortrag konzentrierte sich auf sein Projekt Chemiewende – die Transformation chemischer Materialien und Prozesse. Industriell hergestellte Materialien wie Munition, Düngemittel, Kraftstoffe, Baustoffe, Kunststoffe und Antibiotika spielen eine zentrale Rolle in den Dynamiken des Anthropozäns. Der vergleichsweise wenig diskutierte Übergang zu nachhaltigeren Materialien wird dabei eine wichtige Voraussetzung für zentrale Transformationsprozesse in den Bereichen Energie, Mobilität und Landwirtschaft sein.

Doch wie sein Vortrag verdeutlichte, haben sich die politischen Rahmenbedingungen für die Chemiewende deutlich verändert. Nachhaltigkeitsziele und -projekte sehen sich zunehmend politischen und technologischen Herausforderungen gegenüber. Dies unterstreicht die Bedeutung, die Politik der Chemie und die Chemie der Politik mithilfe der Geoanthropologie besser zu verstehen. 

Als einziges teilnehmendes Institut aus der Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaftlichen Sektion der Max-Planck-Gesellschaft organisierte das MPI-GEA zudem eine Sitzung zum Thema Nachhaltigkeit im Recht. Thomas Schomerus von der Fakultät für Nachhaltigkeit an der Leuphana Universität Lüneburg wurde zu einem Vortrag mit dem Titel „Nachhaltige Produkte – Chancen und Hindernisse aus rechtlicher Perspektive“ eingeladen. 

Der Vortrag beleuchtete, wie Regulierung die Entwicklungsdynamik von Materialien und Technologien steuern kann, zeigte aber auch, dass Regulierungsbehörden Erkenntnisse aus der Materialwissenschaft berücksichtigen müssen. Gleichzeitig müssen sich Forschende, die an neuen Materialien arbeiten, der gesellschaftlichen und rechtlichen Auswirkungen ihrer Arbeit bewusst sein.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Thomas Schomerus vertieften Silvia Vignolini, Sprecherin von SusMax, Eberhard Bodenschatz, „Energiebeauftragter“ der MPS, und Benjamin Steininger die Diskussion.

Der SusMax-Workshop zeigte einmal mehr, dass sich die drängendsten Fragen der Nachhaltigkeit nur durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher wissenschaftlicher Perspektiven lösen – oder überhaupt erst identifizieren – lassen. Der Weg zu nachhaltigen Materialien zeigt exemplarisch, wie wichtig es ist, chemische, politische und geohistorische Prozesse gemeinsam und systematisch zu durchdenken.

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